Vor ein paar Tagen saß ich in der Bahn von Hamburg nach Düsseldorf. Klassische Geschäftsreise halt. Die ganze Sache wurde spannend, als meine Sitznachbarn anfingen ein unterhaltsames Gespräch zu führen, dass mich zu einem offtopic-Blogbeitrag motiviert hat. Das Thema des Gesprächs: Frauenfußball. Genauer gesagt: Die Ansichten des männlichen Kreisliga-Fußballers über Frauenfußball und insbesondere die vergangene WM in Kanada. Die Grundfrage war: War das was in Kanada gespielt wurde tatsächlich Fußball ?

Ja, ist es – aber eben kein Männerfußball. Wer das verstanden hat, hat viel kapiert. Natürlich spielen sie keinen Männerfußball. Frauen spielen Frauenfußball. Wer Frauen an Männern misst und um­ge­kehrt, wird ein Leben voller Missverständnisse führen. Aber das ist ein anderes Thema. Im Sport ist es nur der Fußball, der sich diesem Vergleich unterziehen muss. Das kommt daher, dass Männer noch immer glauben, der Fußball gehöre ihnen. So wie die Schlagbohrmaschine oder der Platz am Grill. Auch davon sollten Frauen doch bitte die Finger lassen. Oder käme irgendjemand auf den abstrusen Gedanken die amtierende 100m-Weltmeisterin Tori Bowie ignorant zu belächeln, weil sie einen Sprint gegen Usain Bolt verlieren würde ? Fußballer äußern dagegen noch immer leidenschaftlich die Überzeugung, dass die Frauen-Nationalmannschaft nicht einmal gegen eine männliche Kreisligamannschaft bestehen würden.

2007 erklärte FIFA-Präsident Sepp Blatter vollmundig: „Die Zukunft des Fußballs ist weiblich“. Gut, der Mann ist nicht gerade ein uneingeschränkter Sympathieträger, aber die Grundhaltung hinter der Aussage ist goldrichtig. Das sage ich als Mann … im Wissen, dass ich damit in der Minderheit bin – oft auch in Fachkreisen. Ganz besonders spannend fand ich ja auch die Stimmen, die spätestens nach dem 10:0-Auftaktsieg der deutschen Damen gegen die Elfenbeinküste proklamierten, dass die Aufstockung der WM auf 24 Mannschaften zu früh kam. Sorry … das ist Bullshit. Sicherlich waren manche Gruppenspiele arg einseitig, aber ohne diese Aufstockung wäre die WM nach wie vor ein Closed Circle gewesen und fußballerische Entwicklungsländer hätten niemals eine Chance Erfahrungen zu sammeln und sich zu professionalisieren. Nach der genannten Argumentation müsste man auch die Männer-WM wieder reduzieren oder wie kann es sein, dass Deutschland im Halbfinale nur Fallobst wie Brasilien vorgesetzt bekommt ? Aber ganz so einfach ist die Betrachtung dann doch nicht, oder ?

Und ja, auch ich muss mich outen: Manches WM-Spiel war alles andere als schön anzuschauen. Irgend­wie kullerten dauernd Kurzpässe zur falschen, weil gegnerischen Spielerin, landeten reihen­haushohe Flanken im Aus und drohte die Schiedsrichterin durch ihr völlig planlose Agieren die Partie zu zerstören. Und ja, Frauen können nicht so hart schießen wie Männer. Sprints, Spielzüge – das Spiel ist langsamer. Doch wer im Biologieunterricht auch nur ab und an anwesend war, dürfte von einer Tatsache nicht wirklich überrascht sein: Männer und Frauen haben einfach andere physische Voraussetzungen. Frauenfußball ist anders als Männerfußball – und das ist auch gut so. Gut, da die Schiedsrichterinnen nicht rudelweise bedrängt werden, die Fußballerinnen ihre Körperflüssigkeiten bei sich behalten und gänzlich darauf verzichten wie brünftige Hirschbullen aufeinander loszugehen. Und die Schwalben der gesamten WM konnte ich auch an einer Hand abzählen. Im Mittelpunkt steht im Frauenfußball halt nicht die Selbstinszenierung, sondern der Sport. Und der hat Klasse. I LOVE IT …

Kurzum: Man muss nicht zwangsläufig Fan vom Frauenfußball sein. Doch das Recht, ihn zu verspotten, darf sich niemand rausnehmen. Schon gar nicht die Sportsfreunde, denen in der 4. Kreisklasse jeder Ball fünf Meter vom Fuß springt. Einfach mal vorurteilsfrei hinschauen …