Das waren sie also, die 20. Vattenfall Cyclassics. Für mich bestanden sie dieses Jahr wieder aus spannenden und intensiven Kilometern, die mir auch zwei Tage später noch das Treppensteigen erschweren.

Als Blogger, der sich intensiv mit dem Thema Sponsoring beschäftigt, schaut man bei solchen Veranstaltungen natürlich auch immer darauf, wie sich Sponsoren präsentieren. Und was ist mir im Kopf hängengeblieben ? Nicht so wahnsinnig viel, obwohl sich zahlreiche Sponsoren in der einen oder anderen Form engagiert haben. Allen voran assoziiert man die Cyclassics natürlich mit den Name-Sponsor Vattenfall. Aber ganz offen: Die meisten Kontaktpunkte mit Vattenfall hatte ich lange vor den Cyclassics. Schaute man 1-2 Wochen vor dem Renntag in die Hamburger Lokalpresse, dann musste man zwangsläufig irgendwann darauf stoßen, dass Vattenfall das Sponsorship 2016 nicht verlängern wird und sich v.a. die Frage nach einem Nachfolger stellt. Was mich überrascht hat: Es wurde kaum ein böses Wort laut, dass Vattenfall sein Engagement auslaufen lässt. Stattdessen fand fast schon eine Lobpreisung der Cyclassics und Vattenfalls statt. Hat man so lange nicht mehr gesehen. Was ich nur leider auch nicht gesehen habe, war eine nachhaltige Umsetzung des Sponsorships vor Ort. Klar, die obligatorischen Werbebanner waren da, aber wirkliche Präsenz hat Vattenfall nicht gezeigt.

Dafür haben sich viele andere Sponsoren intensiv bemüht sowohl Fahrern als auch Zuschauern ins Auge zu fallen. Dabei konnte man manch glücklosen Versuch beobachten, aber auch wirklich sympathische Aktivierungsmaßnahmen. Und wie so oft, waren die besten Maßnahmen nicht die großen und auffälligen Aktionen. Natürlich: Als Fahrer hat man andere Sorgen, als sich ausschließlich Werbemaßnahmen der Sponsoren anzuschauen. Daher sind mir – zusätzlich zu Vattenfall – auch nur 3-4 andere Sponsoren aufgefallen. Da wäre zunächst mal die obligatorische Red Bull-Dose im Starterbeutel. Keine Ahnung, was die darin zu suchen hat, aber wenn Red Bull für dieses Give-Away die Cyclassics unterstützt: warum nicht. Oder hat jemand anders Red Bull in irgendeiner anderen Form wahrgenommen ? Ähnliches gilt für Erdinger Alkoholfrei und das genauso obligatorische After-Race-Bierchen … Dann wäre da noch Europcar: Von meinem Haus-und-Hof-Autovermieter habe ich an der Strecke Werbebanner und km-Markierungen gesehen. Glaube ich. Also sicher bin ich mir da nicht … Das sagt ja schon alles. Wo ich mir aber sicher bin: Europcar hat einen Lolli in die Starterbeutel getan. DAS ist mal eine innovative und markengerechte Sponsorship-Aktivierung. Oder auch nicht. Aber hat zumindest nicht viel gekostet. Warum ich nun aber den nächsten Mietwagen bei Europcar buchen soll, kann ich nicht sagen. Weil der Lolli so gut geschmeckt hat ? Daher mein Plädoyer an die Sponsoren: Habt einen Plan was ihr wollt. Macht Euch Gedanken, wie Ihr Fahrer und Zuschauer wirklich erreichen könnt. Nehmt Euch ein Beispiel an B.O.C.. Gut, die haben aufgrund der thematischen Nähe zu Fahrrädern einen gewissen Vorteil, aber sind nun auch nicht gerade als Rennrad-Paradies bekannt. Aber offensichtlich hat B.O.C. verstanden, wie man vor Ort Zielgruppen anspricht. Und das funktioniert ganz einfach: B.O.C. hat kleine Servicestände mit unzähligen Luftpumpen und der Ausstattung für Minireparaturen aufgebaut. Du bist Dir nicht ganz sicher, ob die Reifen eine halbes Bar härter sein könnten oder brauchst kurzfristig noch etwas Öl auf die Kette ? Kein Problem – schau rasch bei B.O.C. vorbei. Damit hat man es geschafft in den Mindset von 20.000 Radfahrern zu kommen – mit einer passenden Botschaft. Und nicht mit Lollis. Manchmal liegt die wahre Kraft halt doch in den einfachen Dingen.

Kurzum: Ich fand die Cyclassics sensationell. Tolle Organisation, klasse Kurs und phänomenale Stimmung an der Strecke – dazu persönliche Bestzeit. Die Tatsache, dass sich Sponsoren (abgesehen von B.O.C.) zumindest zurückgehalten haben, hat sicherlich niemanden gestört, aber aus Sponsorensicht wurden unfassbar viele Chancen nicht genutzt. Schade.