Ich habe mich in den Vorwochen von RIO 2016 schon munter über die Dopingdiskussion ausgelassen. Und mich hat die mediale Berichterstattung in Deutschland schon positiv überrascht. Klar: das Thema Doping wurde munter diskutiert, aber man wurde nicht erschlagen. ARD und ZDF haben aus meiner Wahrnehmung den Spagat zwischen der Dopingthematik und dem sportlichen Geschehen wunderbar geschafft.

Aber schauen wir mal zurück und fragen: was ist von Olympischen Sommerspielen in Rio wirklich geblieben? Allen voran hat sich in meinem Kopf viel Kritik an den Ausrichtern verankert. Gut, die Ränge blieben oftmals leer, das olympische Dorf befand sich teilweise noch in einem besseren Rohbau, die Radstrecke halsbrecherisch, das Wasser war irgendwann grün und eine Kamera ist abgestürzt. Dafür blieben die Stadiontribünen heile, die Segler haben das verschmutze Guanabara-Bucht-Wasser soweit überlebt und statt der gefürchteten Zika-Epidemie wurde keine einzige Infektion mit dem Virus gemeldet. Es war sicher nicht alles perfekt organisiert und es waren garantiert auch nicht die besten Sommerspiele aller Zeiten. Aber die befürchtete Apokalypse blieb aus. Das meiste funktionierte. Irgendwie. Irgendwann. Mehr noch: Rio de Janeiro war angesichts der Umstände ein guter Gastgeber.

Die mangelhafte Auslastung der Stadien kann man angesichts der Preise und der undurchsichtigen bis kriminellen Praxis bei der Vergabe von Ticketkontingenten nicht den Bürgern anlasten. Auch das nach europäischer Perspektive zweifelhafte Verständnis von Fairness darf man nicht überbewerten. Die olympische Sportartenvielfalt war neu für viele Brasilianer, die das Fansein nun einmal zu größten Teilen im Fußballstadion erlernt haben. Wo sich, warum auch immer, niemand an ein paar Pfiffen stört. Das wirklich Üble an Olympia 2016 waren die Machenschaften der olympischen Funktionäre um Thomas Bach. Vom zumindest mal unglücklichem Verhalten im Anti-Dopingkampf bis hin zur Verhaftung von Patrick Hickey – das IOC gab ein verheerendes Bild ab. Aber selbst mir, als leidenschaftlichem Kritiker des „südeuropäischen und südamerikanischen Organisationstalents“, ist es nicht möglich Rio für die Machenschaften zu IOC zu kritisieren. Trotz dieser Negativbilder gab es auch wunderbare Geschichten, bewirkt von Sportlern. Fabian Hambüchens goldener Schlussakt beispielsweise wird aus deutscher Sicht in der Nacherzählung gewiss eine wichtige Rolle spielen, ebenso Ludger Beerbaums verwegener Ritt zu Bronze im Mannschaftswettbewerb mit dem damit einhergehenden Rücktritt des unangepassten Pferdeverstehers; und natürlich auch das Meisterstück, das die Beachvolleyballerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst am Strand von Copacabana abgelegt haben.

Kurzum: Trotz aller phänomenalen sportlichen Höchstleistungen werden v.a. die Skandale von Rio in Geschichtsbüchern hängen bleiben. Und damit meine ich nicht nur die oben genannten, sondern auch die Randnotizen, die mich am Verstand mancher Athleten zweifeln lassen. Den größten Sex-Skandal bspw. lieferte die brasilianische Wasserspringerin Ingrid de Oliveira. Sie vergnügte sich mit einem Kanuten auf ihrem Zimmer, sperrte aber dafür ihre Teamkollegin aus. Daraufhin flog sie aus dem Olympia-Team und wurde noch dazu auf Instagram ziemlich wüst beschimpft. Ja klar, nach Jahren der harten Wettkampfvorbereitung würde ich genauso sowas auch machen …. ohne Worte!

Was kommt in Zukunft? Wir können uns sicher sein, dass Tokyo im Jahr 2020 andere Spiele auf die Beine stellen wird als Rio. Aber zunächst kommt ja sowieso erstmal die südkoreanische Stadt mit der Austragung der XXIII. Winterspiele dran. Wobei den Organisatoren schon jetzt ein trauriger Superlativ gewiss ist, nämlich mit der Rodung eines 500 Jahre alten Waldes die größte Umweltsünde in der Geschichte der olympischen Spiele begangen zu haben. Immerhin: Im Gegensatz zu Rio müssen die Athleten in Pyeongchang nicht mit Anfeindungen von Seiten der einheimischen Zuschauer rechnen, und das nicht, weil sich die Südkoreaner dem Fair Play verschrieben haben, sondern weil das Interesse der Einheimischen am olympischen Wintersport noch geringer ist als das Interesse der Brasilianer am olympischen Sommersport.