Für mich als Ex-Freezers-Fan, der in den vergangenen Wochen seine Leidenschaft für die Crocodiles entdeckt hat, sind manche Zustände in der Oberliga noch ungewohnt. Kommt man aus den paradiesischen Zuständen in der DEL mit modernen Hallen, namhaften Akteuren mit NHL-Erfahrung und professionellem Strukturen, dann ist die Oberliga eine andere Welt.

Resultate à la 7:2 oder 6:5 sind Alltag? Man reist mit nur einem Torwart zum Auswärtsspiel, da der Backup gerade in der Klausurenphase des Studiums ist? Ein Match wird abgesagt, da die Auswärtsmannschaft eine Buspanne hat? Fragen, die man sich als Oberliga-Rookie stellt und die man mit JA beantworten muss. Halt eine andere Welt. Aber eine sympathische Welt. Sozusagen back to the roots.

Und doch gibt es abseits dieser amüsanten Fakten auch Herausforderungen für Clubs, die wirklich eine andere Liga sind. Gerade in der Oberliga angekommen, las man als geplagter Freezers-Fan sofort vom drohenden Aus der Icefighters Leipzig, deren Spielstätte geschlossen werden sollte, da die Rate für die provisorische Eishalle nicht mehr gezahlt werden konnte. Anders als bei den Freezers war eine Crowdfunding-Kampagne erfolgreich und die Icefighters mischen auch heute noch in der Oberliga mit. Ich hatte dies damals als Eintagsfliege abgetan – ganz nach dem Motto: sowas passiert auch nur alle 10 Jahre mal. Da lag ich wohl gründlich daneben …

Jüngst hat es nun die Beach Boys aus Timmendorf erwischt. Die Beach Boys zählen sportlich zu den Underdogs der Oberliga und haben nun auch eine ganz andere Sorge, die alle sportlichen Resultate fast gänzlich in den Schatten stellen: dem Club droht zum Saisonende das Aus. Nicht weil Investoren abspringen oder jahrzehntelange Misswirtschaft die wirtschaftliche Basis zerstört haben, sondern weil die gemeindeeigene Halle, das Eissport- und Tenniscentrums (ETC) in Timmendorfer Strand, knapp 30 Jahren nach ihrem Bau in einem katastrophalen baulichen Zustand ist und bspw. die Brandschutz-Bestimmungen schon längst nicht mehr erfüllt. Damit droht dem einzigen Eishockeyclub in ganz Schleswig-Holstein das Aus. Also nicht nur der Oberligamannschaft, sondern dem gesamten Club mit 400 Jugendlichen und auch die Tennisabteilung des EHC Timmendorfer Strand stände (zumindest während der Wintermonate) vor dem Aus. Nur dank einer Ausnahmegenehmigung darf dort in dieser Saison überhaupt noch gespielt werden. Doch klar ist auch: Wird die Halle nach der Saison nicht saniert, war es das mit Eishockey in Schleswig-Holstein.

Die Umbau- und Sanierungskosten wurden auf ca. 6,8 Mio. Euro geschätzt – eine Summe, nicht übertrieben scheint, wenn man berücksichtigt, dass u.a. auch die gesamte Kälte-, Entfeuchtungs- und Lichttechnik ausgetauscht werden muss. Aber auch eine Summe, die der EHC auf keinen Fall aufbringen kann und auch für die Gemeinde Timmendorfer Strand ist dies kein Investment, das man aus der Portokasse bezahlen kann. Müsste sie aber ggf. auch gar nicht zu 100%, denn möglicherweise könnten Zuschüsse des Bundes und der EU den Eigenanteil für die Kommune drastisch senken. In diesem Zusammenhang gibt es Stimmen, die der kommunalen Verwaltung und Politik Versäumnisse vorwerfen – dies kann ich aus der Ferne allerdings unmöglich mit gebotener Vorsicht beurteilen und mache es daher auch nicht.

Fakt ist aber, dass die Gemeinde zum Jahreswechsel die Einwohner per Bürgerentscheid darüber abstimmen lassen wird, ob die Sanierung des ETC aus öffentlichen Mitteln angegangen werden soll. In Zahlen bedeutet das: Von den 8.864 Einwohnern Timmendorfs müssen wenigstens 20% (= 1.773 Einwohner) an der Wahl teilnehmen. Wenn davon mindestens 887 für die Sanierung stimmen, ist der Bürgerentscheid erfolgreich. Kurzum: die Zukunft des EHC hängt am seidenen Faden.

Wie in keiner anderen Sportart halten Eishockey-Fans zusammen, wenn es um die Zukunft von Standorten geht. Nachdem ich am eigenen Leib schon eine riesige Anteilnahme und Hilfsbereitschaft bei den Freezers erleben durfte, halte ich es für eine Selbstverständlichkeit auch den Beach Boys die Daumen zu drücken. Bei aller sportlichen Rivalität zu den Crocodiles: Eishockey muss in Timmendorf erhalten bleiben, denn Timmendorf ohne Eishockey ist wie Strand ohne Sand.