Nachdem mein letzter Beitrag zu RB Leipzig zahlreiche Reaktionen verursacht hat (und das waren nicht ausschließlich positive), will ich auch die andere Seite der Medaille anschauen. Sozusagen die österreichische Red Bull-Historie im Fußball.

Schauen wir doch mal 10 Jahre zurück, als Red Bull medienwirksam bekannt gab, dass man die Übernahme des Traditionsclubs SV Austria Salzburg (vormals auch als SV Wüstenrot Salzburg und SV Casino Salzburg bekannt) plant. Und schon am 6. April 2005 wurden dann tatsächlich Fakten geschaffen: Red Bull hatte die Salzburg Sport AG und damit auch den SV Austria Salzburg aufgekauft. Nur die Art und Weise der Übernahme war doch mehr als nur fragwürdig. Red Bull nahm eine radikale Umgestaltung des Clubs vor und ersetzte die Clubfarben (violett und weiß) durch die eigenen Hausfarben (rot und weiß) und änderte auch das Clublogo um. Das dies natürlich von den leidenschaftlichen Fans der Austria nicht akzeptiert wurde überrascht wohl kaum. Eskalierend wirkten sich auch Mateschitz-Aussagen wie diese: „Ich möchte jetzt nicht traditionelle Werte in Frage stellen, aber für mich ist gestern die Vergangenheit, morgen die Zukunft und heute bestenfalls die Gegenwart. Für mich ist jetzt, mit RB Salzburg, die Stunde Null einer neuen Ära. Und der rote Bulle kann heute nicht violett sein, sonst dürfte es nicht Red Bull heißen“.

Doch die scheinbare einfache Abgrenzung von Gut und Böse will auch in Salzburg partout nicht klappen: Im Laufe der Hinrunde der Saison 2005/06 spaltete sich das Fanlager der Austria in traditionelle ‚violette’ Fans und Red Bull-Fans. Protestspruchbänder, violette Choreographien und die von den Fans weiterhin getragenen violetten Trikots und Schals waren Ausdruck der Ablehnung von Red Bull und dessen Vermarktungsphilosophie. Für zusätzliche Aufregung sorgte auch die Umwandlung des Fansektors von einem Steh- in einen Sitzplatzsektor. In ganz Österreich und in zahlreichen europäischen Stadien gab es Solidaritätskundgebungen mit den violetten Fans, deren Protest als Kampf der Fußballfans gegen die fortschreitende Kommerzialisierung des Sports verstanden und daher unterstützt wird. Nach dem finalen Abbruch der Gespräche zwischen Fans und Club zogen sich weite Kreise der violetten Fans aus dem Stadion zurück und gründeten am 7. Oktober 2005 den neuen Sportverein Austria Salzburg. Die Tatsache, dass Austria seit dem Sommer zweitklassig spielt und mittelfristig an das Tor zur Bundesliga anklopfen wird, birgt dabei natürlich zusätzliche Brisanz. Das aber nur mal als Randnotiz …

Die Umwandlung der Salzburger Austria kann aus einer Vermarktungssichtweise durchaus als Glanzleistung verstanden werden, zumal der Club nach der Übernahme und den dazugehörigen Finanzspritzen zum Serienmeister Nr. 1 im österreichischen Fußball avancierte und die Alpenrepublik auch international würdig repräsentiert. Und trotzdem wurden die kritischen Stimmen, welche die unübersehbaren Veränderungen Stadion Walz-Siezenheim anmahnen, nicht leiser. Dort wird der Fußball verstärkt als perfektes Werbespektakel nach US-amerikanischem Vorbild inszeniert. So wurden selbstgemalte Fan-Transparente durch Werbebanner ausgetauscht und Cheerleaderinnen / hysterische Moderatoren sollen die Stimmung auf den Tribünen anheizen. Damit wurde ein zahlungskräftigeres unkritisches Eventpublikum angelockt, das nach dem Vorbild des englischen Strukturwandels in den 1990er Jahren allmählich die traditionelle kritische Fanklientel abgelöst. Auch wenn (und das ist Zuschauerzahlen ablesbar) zahlreiche Menschen positiv auf die Veränderungen reagierten, schaut wirkliche Nähe und Identifikation mit dem Club aber doch anders aus. Man kann festhalten, dass das umfassende Engagement von Red Bull polarisiert, aus wirtschaftlicher Sicht überzeugt und dazu geführt hat, dass ein massiver Wandel der Zuschauerstruktur zu beobachten war (in Leipzig UND Salzburg). Und natürlich hat die Marke Red Bull durch die hohe Medienpräsenz seine Position als bekannter Sponsor Österreichs ausbauen konnte. Auch wenn die beiden Engagements von Red Bull in Leipzig und Salzburg sich gerade in der Frage des WIE in wesentlichen Punkten unterscheiden, haben sie doch eins gemeinsam: Nicht der Sponsor profitiert vom Image des Clubs, sondern der Club leidet unter dem Image des Sponsors. Aber hat dies negative Auswirkungen für Red Bull ? Werden in Leipzig, Salzburg oder anderen Orten weniger Dosen verkauft ? Nicht wirklich.

Um die mitschwingende Frage des ersten Red Bull-Artikels aufzugreifen (Sportsponsoring oder doch Verrat am Sport ?): Diese Frage beantwortet am besten jeder für sich alleine. Ich für mich bin da zwiegespalten: Das Engagement in Salzburg löst bei mir null Sympathie aus – aber das was gerade in Leipzig aufgebaut wird verdient Respekt.