Nun folgt also der nächste Blogartikel zu RB Leipzig. Ein Thema, das schon zweimal für spannende Diskussionen gesorgt hat und oft polarisiert.

Fußball, der begeistert

Fassen wir mal zusammen: RB spielt leidenschaftlichen Offensiv-Fußball, der wesentlich attraktiver ist als alles das, was die Bundesliga-Aufsteiger der vergangenen Jahre angeboten haben. RB ist ein Zuschauermagnet und sorgt in Leipzig regelmäßig für ein ausverkauftes Stadion. RB kann mit etwas Glück schon kurzfristig zum Bayernjäger Nr. 1 werden und sich v.a. als solcher etablieren. Spätestens wenn RB kurz vor Weihnachten nach München reist, werden alle Augen für 90 Minuten auf die bayerische Landeshauptstadt gerichtet sein. Zumal ganz Fußball-Deutschland seit Jahren nach einem Herausforderer auf Augenhöhe für die übermächtigen Bayern sucht – sogar der FC Bayern selbst … Scheinbar ist alles angerichtet, für das Fußball-Märchen, das sich alle wünschen: der Club, der den Osten Deutschlands auf die Fußball-Landkarte zurückbringt, den Durchmarsch aus der Viertklassigkeit in die Bundesligaspitze geschafft hat und v.a. auf junge Fußballer mit Potential nach oben setzt. Das ist normalerweise der Stoff, aus dem Märchen geschrieben werden.

Aber gut: wir alle wissen, dass RB Leipzig nicht gerade die Sympathien der Fußballfans auf sich vereint. Ich habe mich in meinen Artikeln schon ausführlich darüber ausgelassen und kann daher an diesem Punkt davon absehen. Nur zwei Sätze will ich auf jeden Fall wiederholen: „Nachdem ich im Juli 2015 Fairness im Umgang mit RB gefordert habe, trudelten zahlreiche saublöde Statements ein. Ich habe die damals mit einem Grinsen angenommen und sie als Bestätigung gesehen und ­– so viel vorab – das werde ich auch diesmal tun.“

Noch vor ein paar Wochen konnte man die Sympathisanten von RB Leipzig (zumindest die außerhalb des Großraums Leipzig) an einer Hand abzählen. Nun ist RB sicher auch heute noch nicht zum Sympathieträger aufgestiegen, aber die positiven Stimmen zu RB werden immer lauter. Auch von den etablierten Bundes­ligisten bzw. deren Management kommen in der jüngsten Vergangenheit immer wohlwollendere Worte. Nicht, dass man RB Leipzig wirklich mögen würde, aber die massive Kritik am scheinbaren ‚Konstrukt’ der Rasenballer, weicht doch spürbar einer Anerkennung der sportlichen Leistungen. Oft habe ich sinngemäß Sätze wahr­genommen wie „man muss mit den finanziellen Möglichkeiten auch sinnvoll umgehen und das tun die Macher von RB ganz hervorragend“. Gut, RB Leipzig hat durch die Millionen des Didi Mateschitz eine bessere Ausgangsposition hat, als so mancher anderer Bundesligist. Aber finanzielle Mittel sind noch lange nicht gleichbedeutend mit sportlichen Höhenflügen. Wer dies anzweifelt, darf mal beim Hamburger SV nachfragen, wie die Kühne-Investments zur aktuellen Tabellensituation beigetragen haben …

Wirtschafts- und Sportkompetenz en masse

RB Leipzig hat eine wirtschaftliche und sportliche Kompetenz an Bord, wie sie sonst wohl nur der FC Bayern hat. Die Rasenballer haben im Gegensatz, zu vielen Traditionsclubs einen Masterplan, der über allem thront. Nichts wird dem Zufall überlassen: dafür sorgt schon die hervorragende Mischung aus Sport- und Wirt­schafts­experten im Management – und das gepaart mit einer langfristigen Vision für den Club. So sondiert RB Leipzig gerade den Markt nach weiteren Sponsoren, um den Club auf eine noch solidere Basis zu stellen. Dies schafft nicht nur beste Voraussetzungen, um eine stärkere Verzahnung mit der regionalen Wirtschaft aufzubauen, sondern ist auch im Hinblick auf die Financial-Fairplay-Richtlinien der UEFA wichtig.

Insgesamt kann RB Leipzig v.a. Dank seiner flachen Hierarchien und einer auf Performance ausgerichteten Clubführung punkten. Natürlich ist dies den Traditionalisten im Fußball ein Dorn im Auge, zumal es alles das symbolisiert, woran es in zahlreichen Traditionsclub krankt. Aber mal ganz unter uns: Ist es nicht richtig, dass Clubs sich wie Wirtschaftsunternehmen aufstellen? Faktisch sind sie ja genau dies. Man stelle sich einmal vor, dass sich Unternehmen anderen Branchen mit Umsätzen im hohen zweistelligen Millionenbereich basisdemokratisch organisieren und Amateure in der Führungsspitze haben. Unvorstellbar …? Natürlich. Nur für den Fußball sind auf einmal Tradition und basisdemokratische Mitbestimmung das A und O.

Der Fußball ist längst ein wirtschaftlich ausgerichteter Sport. Vom Amateueridealismus kann schon in der Regionalliga an vielen Orten längst nicht mehr ausgegangen werden – ganz zu schweigen von der Bundesliga. Fußball und Kommerzialisierung sind Ausdrücke, die schon seit Jahren untrennbar zusammen gehören. Und nun kommt mit RB Leipzig ein Club daher, der dies offen auslebt und noch kein klares Profil/einen klaren Markenkern hat. Aber woher soll dies auch kommen? Nach den paar Jahren Clubhistorie?

Good luck RB Leipzig

Ich mag den Zorn mancher Traditionalisten auf mich ziehen, sage aber trotzdem im Brustton der Überzeugung: RB Leipzig ist mir sympathisch. Ich drücke den Bullen die Daumen und hätte auch nichts dagegen, wenn in der nächsten Saison mit RB Leipzig das erste Mal ein ostdeutscher Club in der UEFA Champions League aufläuft. Ich sage: willkommen in der Bundesliga RB Leipzig. Macht weiter so … das mit der Identität/Tradition bekommt Ihr irgendwann auch schon hin 😉