Wenn man Royal Sponsorship schon länger folgt, dann ist eine Sache nicht zu übersehen: ich beschäftige mich immer mal wieder mit RB Leipzig – einem Thema, dass polarisiert und unfassbar emotional behandelt wird. Gerade vor ein paar Tagen habe ich dazu einen harmlosen Kommentar auf Twitter in die Welt gesandt und schon nach Minuten hagelte es Kritik und Unverständnis – um es mal ganz vorsichtig auszudrücken. Wieder einmal hat sich bewahrheitet, dass man anscheinend nichts halbwegs Positives zu RB Leipzig sagen darf, ohne sich z.T. massive Vorwürfe anhören zu müssen. Schade. Doch genauso hat mich die Diskussion dazu motiviert, mal Hinter die Kulissen zu schauen und zu fragen: war die Zulassung von RB Leipzig und Red Bull Salzburg zur Champions League wirklich in Ordnung?

Fakt ist, dass sich RB Leipzig als Aufsteiger sportlich auf fantastische Art und Weise in der Bundesliga geschlagen hat. Und die Tatsache, dass Red Bull Salzburg seit Jahren das Nonplusultra des österreichischen Fußballs ist und sich die Teilnahme der Qualifikation zur Champions League verdient ist, zweifelt auch niemand an. Warum also überhaupt diese Diskussion?

Die wichtigen Regularien auf einen Blick

Um dies fassen zu können, muss man einen Blick in das Reglement der UEFA Champions League für den Zyklus 2015-18 (einzusehen unter diesem Link). Darin sind in §5 zwei Punkte benannt, welche die Clubs aus Leipzig und Salzburg möglicherweise betreffen:

  • Niemand darf gleichzeitig, direkt oder indirekt, in irgendeiner Funktion oder mit irgendeinem Mandat an der Führung, der Verwaltung und/oder den sportlichen Leistungen von mehr als einem an einem UEFA-Klubwettbewerb teilnehmenden Verein beteiligt sein.
  • Keine natürliche oder juristische Person darf Kontrolle über oder Einfluss auf mehr als einen an einem UEFA-Klubwettbewerb teilnehmenden Verein haben, wobei in diesem Zusammenhang als Kontrolle bzw. Einfluss gilt, wenn die betreffende Person:
    • über die Mehrheit der Stimmrechte der Aktionäre verfügt;
    • das Recht hat, die Mehrheit der Mitglieder des Verwaltungs-, Leitungs- oder Aufsichtsorgans des betreffenden Vereins zu bestellen oder abzuberufen;
    • Aktionär ist und aufgrund einer Absprache mit anderen Aktionären des betreffenden Vereins allein über die Mehrheit der Stimmrechte derAktionäre verfügt; oder
    • in der Lage ist, auf irgendeine Art und Weise einen entscheidenden Einfluss auf die Entscheidungsfindung des Vereins auszuüben.

Red Bull = Volkswagen = …

Um es ganz einfach und nicht-juristisch zu formulieren: laut der UEFA muss eine klare wirtschaftliche und organisatorische Trennung zwischen allen teilnehmenden Clubs gewährleistet sein. Und genau das war längere Zeit nicht ganz klar. Nachdem sich die Clubs für die Champions League qualifiziert haben, lag es nun an der UEFA zu begutachten, ob die Clubs nicht doch zusammenhängen. Selt­samer­weise waren geschätzte 99% aller Fußballfans sofort der Ansicht, dass die Clubs natürlich nur das tun, was aus dem Hause Red Bull / Mateschitz angeordnet wird. Seltsamerweise wird dies ohne Fragen akzeptiert, wenn wir uns andere Fälle anschauen – wie bspw. VW.

Volkswagen ist bekanntermaßen mehr als nur ein Hauptsponsor in Wolfsburg. Und man ist darüber hinaus u.a. Sponsor auf Schalke sowie am Bremer Weserdeich. Man könnte meinen, dass auch dabei die Emotionen aufbrausen und Fans Sturm laufen gegen die unlautere Einflussnahme durch VW. Man könnte meinen, dass in Fankreisen ein Bashing stattfindet, wenn ein Spieler von Schalke nach Wolfsburg wechselt (Draxler) oder von Wolfsburg nach Bremen (Kruse). Könnte man … aber macht niemand. Aber warum? Traut man VW solch ein Verhalten einfach nicht zu? Aber Red Bull selbstverständlich schon? Am Ende des Tages hat immer der das Sagen, der zahlt – dieses Naturgesetz gilt auch im Fußball. In der öffentlichen Wahrnehmung anscheinend allerdings irgendwie immer doppelt, wenn Red Bull zahlt …

100% Transparenz ist Träumerei

Aber zurück zur UEFA: die darf nämlich ausschließlich auf Grundlage Ihrer Statuten die Teilnahme an der Champions League erlauben – oder halt nicht. Dabei ist es wichtig, dass es klare und nachvollziehbare Kriterien gibt, die für alle Clubs gleichermaßen gelten. Alles andere wäre – schon angesichts der wirtschaftlichen Tragweite einer Nicht-Zulassung – mehr als fahrlässig und unprofessionell. Es muss möglichst transparent dargelegt werden können, warum die Entscheidung so gefallen ist, wie sie gefallen ist. 100% Objektivität zu erwarten ist v.a. dann eine Herausforderung, wenn Clubs in der Vergangenheit tatsächlich starke organisatorische Zusammenhänge hatten – so wie im Fall Leipzig und Salzburg. Dann wird es kaum möglich sein, alle Zweifel zu zerstreuen – das hängt schlicht mit der Natur von Regularien zusammen, die einfach nicht jeden der gefühlten 40 Millionen Sonderfälle berücksichtigen können.

RB macht die Hausaufgaben

Fakt ist, dass RB Leipzig als Red Bull Salzburg ihre Hausaufgaben gemacht haben und ihre Strukturen bzw. Verbindungen so verändert haben, dass sie offensichtlich den aktuellen Anforderungen der UEFA nachkommen. Dies bestätigte die UEFA, die von bedeutenden Änderungen hinsichtlich Finanzen, Personal, Sponsoring (…) spricht. Doch stand diese Entscheidung nach Aussage der New York Times noch vor Wochen auf der Kippe.

Noch am 26. Mai sollen die Clubs darüber informiert worden sein, dass es weitere Maßnahme brauche, um die organisatorische Trennung in ausreichendem Maße nachweisen zu können. Erst durch eine Vielzahl an weiterer Veränderungen in den Strukturen, hauptsächlich aufseiten der Salzburger, sei die Teilnahme beider Clubs an der Champions League ermöglicht worden. Red Bull hält in Leipzig 99% der Eigentumsanteile der Rasenballsport GmbH und 49% der Stimmen. In Salzburg tritt man hingegen schon seit einem Jahr offiziell nur noch als Hauptsponsor auf. Deshalb wurde besonders hier der Einfluss von Red Bull – zumindest formal – weiter heruntergefahren. So mussten in den vergangenen Wochen mehrere Red Bull-Mitarbeiter ihre Posten beim österreichischen Meister aufgeben. Außerdem will Red Bull, um zukünftige Diskussionen möglichst zu vermeiden, das Hauptsponsorship in Salzburg zwar bis 2022 verlängern, allerdings zu weitaus niedrigeren Konditionen. Ganz nach der etwas wirren Annahme: weniger Geld von Red Bull = weniger Einfluss von Red Bull. Es wäre aber natürlich kurzsichtig anzunehmen, dass Red Bull tatsächlich in Salzburg das Heft aus der Hand gegeben hat – man hat es aber wunderbar verstanden, gerade so die formalen Anforderungen zu erfüllen.

Anpassungen der Regularien nötig

Braucht es ggf. Anpassungen der Regularien, um scheinbare Schlupflöcher, wie Red Bull es mit dem formalen Rückzug aus der Salzburger Clubführung gefunden hat, zu schließen? Die Antwortet lautet aller Wahrscheinlichkeit: ja. Die UEFA würde gut daran tun, ihre Regularien zu überarbeiten und (auch in solchen Fällen) juristisch nachprüfbarer zu machen. Und das bitte nicht nur aufgrund von Red Bull, sondern zahlreichen gemeinsamen Sponsoren in den Clubs.

Auf Basis der aktuellen Rechtslage war die Zulassung von Leipzig und Salzburg zur Champions League richtig. Daher halte ich an meiner – auf Twitter geposteten – Aussage fest: #RBLeipzig nicht in die Champions League zu lassen, wäre der Skandal gewesen …! Und ich ergänze: Es braucht zeitgemäßere Richtlinien, damit solche Diskussionen gar nicht erst aufkommen.