Nach längerer Abwesenheit ist er also wieder da: Uli Hoeneß ist wieder Präsident des FC Bayern München. „Das war’s noch nicht“ – mit diesen kämpferischen Worten verabschiedete er sich vor zweieinhalb Jahren von den Mitgliedern des FC Bayern, bevor er seine Haft antrat. Und es war es tatsächlich noch nicht. Nun sind gerade diese Tage für jemanden, der dem wohl bedeutendsten ‚Macher‘ des deutschen Fußballs mehr als nur etwas Respekt entgegenbringt und sich intensiv mit sozialökonomischen Fragen des Sports beschäftigt, geradezu eine Einladung für einen Kommentar.

Uli Hoeneß polarisiert wie kaum ein anderer. Das muss ich als Sohn eines leidenschaftlichen Anhängers von Werder Bremen, für den Uli Hoeneß geradezu die Reinkarnation des Bösen ist, wissen. Die Stimmen, die sich strikt gegen eine Wiederwahl zum Bayern-Präsidenten aussprachen, waren unüberhörbar. Und ja: man kann die Gründe für diese Ablehnung durchaus nachvollziehen. Von Kritik am unzeitgemäßen Patriarchismus bis hin zur Ansicht, dass Uli Hoeneß nach seiner Verurteilung wegen Steuerbetrugs schlicht nicht die moralische Autorität habe den deutschen Rekordmeister zu repräsentieren, waren zahlreiche Kommentare zu hören, die durchaus nachvollziehbar sind.

FC Bayern – wirtschaftlicher Krösus

Und Fakt ist: natürlich haben die Bayern auch ohne ihren Macher Meisterschaften und Pokale gesammelt. Und das nach dem Abgang des Patriarchen hinterlassene Machtvakuum hat Karl-Heinz Rummenigge wunderbar ausgefüllt. Dem ehemaligen Weltklassestürmer gelang es, die Marke FC Bayern zukunftsfest zu machen. Als Vorstandsvorsitzender trieb er die Internationalisierung voran. Und auch finanziell steht der FC Bayern besser als jemals zuvor da. Gerade vor ein paar Tagen gab der Rekordmeister die Zahlen für das Geschäftsjahr 2015/16 bekannt und die haben es in sich. Die vom e.V. ausgegliederte FC Bayern München AG hat den Umsatz um über 100 Mio. EUR auf eine Bestmarke von 626,8 Mio. EUR gesteigert. Das sind rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr (523,7 Millionen). Auch der Überschuss nach Steuern liegt mit 33 Mio. EUR rund 10 Mio. EUR über der Rekordmarke von 23,8 Mio. EUR aus der Saison 2014/15. Besonders aussagekräftig sind auch zwei Zahlen: Bereits dreimal in Folge lag der Umsatz der AG über der Marke von einer halben Milliarde EUR. Und zum 24. Mal nacheinander wirtschaftete der deutsche Fußballkrösus profitabel. Gesteigert wurde der Umsatz vor allem durch die Einkünfte aus dem Sponsorenbereich: maßgeblichen Anteil daran hatten neu akquirierte Sponsoren und die Verlängerung bisheriger Partnerschaften.

Mehr als nur ein Präsident

Wieder Präsident seines Vereins zu sein, dabei wird es Uli Hoeneß nicht belassen. Der Klub hält 75 Prozent an der in die FC Bayern München AG ausgegliederten Fußballabteilung. Die Statuten besagen, dass dem Präsidenten des e. V. und seinem Stellvertreter Sitze im Aufsichtsrat der AG zustehen. Und es gehört nicht viel Phantasie dazu, dass Hoeneß auch dort wieder – wie in München üblich – den Vorsitz übernehmen wird. Stoiber, ebenfalls Mitglied des Kontrollgremiums, geht davon aus, dass Hoeneß an die Spitze zurückkehre, sagte er der „Zeit“. Dann werde es „die Aufgabe der beiden Großen sein, Rummenigge als Vorstandsvorsitzenden und Hoeneß wohl als Präsidenten und Vorsitzenden des Aufsichtsrates, den gemeinsamen Weg weiterzugehen“. Entschieden wird diese Personalie im Januar, wenn die neun Mitglieder des Aufsichtsrats – darunter immer noch der über Diesel-Gate gestürzte Ex-VW-Boss Martin Winterkorn – ihren Vorsitzenden wählen. Aber was soll da schon passieren?

Kurzum: Uli Hoeneß sitzt bald wieder am Hebel der Macht. Während der Präsident des e. V. über die scheinbar nebensächlichen Fragen entscheidet, werden im Aufsichtsrat die entscheidenden Weichen gestellt. Alle Transferausgaben, die 25 Millionen Euro übersteigen, muss Hoeneß dann absegnen. Er wird dem Vorstand um dessen Vorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge auf die Finger schauen. Rummenigge, in Hoeneß‘ Abwesenheit Alleinherrscher, wird seine Macht wieder teilen müssen. Das Verhältnis zwischen den beiden Alphatieren gilt, ganz vorsichtig formuliert, als nicht unbelastet. Auf der einen Seite der unterkühlt wirkende Rummenigge, der, wenn er es für nötig hält, auch einen Weltklasseverteidiger wie Jérôme Boateng quora Publikum abwatscht. Dort der emotionale Hoeneß – der Patriarch, der sich stets solidarisch gezeigt hat, wenn andere in Nöten waren. Ich denke da bspw. An das Retterspiel beim FC St. Pauli auch die einzigarte Hilfestellung, die dem alkoholkranken Gerd Müller half, wieder Halt im Leben zu finden.

Der FC Bayern braucht einen Macher wie Uli Hoeneß. Möglicherweise muss man ein Ammenmärchen aus der Welt schaffen, um dieses klar zu machen: Zwar schwamm der FC Bayern auch ohne den Präsidenten Hoeneß auf der Erfolgswelle, doch liegen die Wurzeln des sportlichen Erfolgs v.a. in seiner Arbeit. Es war größtenteils seine Mannschaft und es war sein Trainer, die sie gewannen.

Abteilung Attacke

Und sind wir doch mal ganz ehrlich: niemand hat die ‚Abteilung Attacke‘ des FC Bayern jemals aufmerksamkeitsstärker ausgefüllt als Uli Hoeneß. In dieser Rolle hat Uli Hoeneß den über Jahrzehnte den Finger in die Wunden des deutschen Fußballs gelegt und – bleiben wir ganz ehrlich – in den meisten Fällen hat er Recht behalten. Fußballdeutschland hat ihn dafür gehasst, er wurde ausgebuht und verschmäht, aber am Ende des Tages hat er in 9 von 10 Fällen richtiggelegen.

Das die Münchener fortan wieder mehr auf verbalen Angriff schalten werden, hat Hoeneß ja auch sofort nach der Wiederwahl angedeutet. Nur ein paar Minute nach seiner Wahl auf der Jahreshauptversammlung sagte der 64-Jährige dem Tabellenführer RB Leipzig nach dessen Sieg beim SC Freiburg den Kampf an: „Leipzig hat 4:1 gewonnen. Wir haben neben Dortmund einen zweiten Feind, den wir jetzt endlich wieder attackieren können“.

Zusammen mit Rummenigge kann Hoeneß dafür sorgen, dass der FC Bayern nicht als gelangweilt siegende Fußball-AG erscheint, sondern als Spitzenteam mit streitbaren, aber menschelnden Führungspersönlichkeiten. Wo Rummenigge einem kühlen Machtpolitiker ähnelt, sucht Hoeneß die direkte Konfrontation. Das ist unterhaltsam und kommt letztlich der Liga zugute. In diesem Sinne Welcome Back …!