Für jeden halbwegs professionellen Blogger ist der Austausch mit anderen Bloggern das Salz in der Suppe. Das Teilen von Erfahrungen hilft dabei Fettnäpfe zu sehen, in die man ansonsten zielsicher reingesprungen wäre. Praktische Tipps rund um technische Fragen bewahren einen davor, sich Nächte um die Ohren zu schlagen. Und der einfache Austausch mit Gleichgesinnten, die dieselben Herausforderungen haben, kann auch emotional eine fantastische Unterstützung sein.

Diesen Austausch habe ich mit Royal Sponsorship in den vergangenen Monaten intensiv gesucht und damit (wie ich finde) ein gutes Fundament für einen überzeugenden, reichweitenstarken Blog gelegt. Da aber Still­stand immer auch Rückschritt bedeutet (oder wie man auf Neudeutsch sagt „today is so yesterday“), steht auch für mich das Sammeln neuer Impulse und Anregungen immer ganz oben auf der Tagesordnung. Ganz in diesem Sinn war ich mit meiner besseren Hälfte am Sonntag auf der #bmb16, den blogger sessions der Buchmesse Leipzig.

Anspruch vs. Wirklichkeit

Gut, man kann meinen, dass das Thema Literaturblogs nur rudimentär mit der Wirklichkeit von Royal Sponsor­ship zu tun hat. Und ja, in großem Maße stimmt das auch. Gespräche über kostenlose Rezensionsexemplare und mitunter provokative Kommentare, wie ich sie bspw. regelmäßig zu Aspekten des Dopings im Spitzensports äußere, sind nicht mal zwei Seiten einer Medaille. Es sind, um im Sportslang zu verharren, unterschiedliche Medaillen in unterschiedlichen Sportarten. Aber: Die Herausforderungen für Blogger sind unabhängig vom thematischen Inhalt doch auch vergleichbar. Das hat sich auch auf der #bmb16 bewahrheitet, wo am Ende (fast) alle Sessions auf Fragen der Professio­nalisierung und Monetarisierung hinausliefen. Und das ist auch gut so: Natürlich fragt man sich ab und zu „warum mache ich das alles?“. Man investiert viel Zeit für Beiträge, arbeitet tagelang an Optimierungen und hat (gerade am Anfang) doch eine arg überschaubare Leserschaft. Das da aus einer anfänglichen Begeisterung rasch mal ein Aufprall auf dem harten Boden der Wirklichkeit wird, ist völlig normal. Die große Frage, welche das Gros der anwesenden Literaturblogger vereint hat, lautet dementsprechend: „Wie schaffe ich es, für meine Leidenschaft eine Gegenleistung zu bekommen?“. Schon nach ein paar Minuten wurde mir klar, dass der Anspruch zahlreicher Literaturblogger sinngemäß: lautet: „Wir sind für Verlage wert­volle Multiplikatoren und finden es daher nur fair, dass Verlage uns für die ‚kostenlose PR’ auch bezahlen“. Dabei ging es nicht um den ‚Lebensunterhalt durch bloggen’, sondern um eine angemessene Aufwands­entschädigung.

Blöd nur, dass dieser Anspruch der Blogger in geschätzten 99,47% aller Fälle nicht ganz mit der Realität übereinstimmt. Buchverlage scheinen sich arg zurückhaltend zu verhalten, wenn es darum geht, Blogger zu bezahlen. Irgendwie auch verständlich: solange Blogger auch so guten Content zusammenstellen, wird niemand ‚so blöd’ sein, dafür zu zahlen. Und oft waren die anwesenden Blogger noch auf dem Trip zu fragen „was können die Verlage uns bieten?“. Die Ansicht, dass Verlage keine Wohlfahrtsorganisationen sind, die Blogger in ihrer Buchleidenschaft fördern, war jedenfalls (zumindest anfänglich) nicht mehrheitsfähig.

Buchverlage wollen Bücher verkaufen. Punkt. Sorry, Ausrufezeichen! Um nichts anderes geht es. Auf dem Weg zum Buchverkauf sind Blogger-Relations ein Marketingkanal. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Bei aller Romantik muss daher festgehalten werden, dass für Blogs aus werblicher Verlagssicht dieselben Kriterien wichtig sein müssen, wie für jeden anderen Kanal auch. Die zentrale Frage, die Verlage für sich beantworten müssen, lautet daher: „Kann ich über Blog XYZ einen ausreichenden Return-on-Invest (im Sinne von niedrigen TKPs / CPCs, Absatzzahlen oder anderen Conversions) erreichen?“.

Am Ende des Tages hat man mit Blogs oberflächlich betrachtet genau zwei Herangehensweisen. Man kann den Blog aus Leidenschaft und Interesse am Thema gestalten und sich damit ggf. eine wertvolle Referenz schaffen oder man will damit Geld verdienen. Wenn es „nur“ um Leidenschaft geht, dann sind natürlich die Erwartungen ganz andere. Dann erwartet niemand, dass ich genaue Mediadaten und Zielgruppenanalysen an der Hand habe, oder gar Conversion Rates für nachgelagerte Kaufprozesse kenne. Will man sich aber für Verlage als interessante Marketingplattform präsentieren, dann sind genau dies die Daten, die ich zwangsläufig wissen muss. Es ist so’n bißchen wie bei einem Arzt: Man mag sensationell Pflaster aufkleben und Verbände anlegen können, aber trotzdem ist der Schritt zur Approbation doch relativ weit. Man kann diesen Schritt gehen, aber dies bedeutet viel harte Arbeit und eine langwierige Druckbetankung mit Fachwissen. Diese Erkenntnis war für zahlreiche Bloganfänger sicherlich ein harter Schlag ins Kontor und so musste doch am Ende wieder ein Kuschelkurs eingeschlagen werden.

Das Gros der Literaturblogger bloggt wirklich aus Leidenschaft zum Thema Buch. Das finde ich sensationell und drückt sich auch in der Qualität der Blogbeiträge aus. Und doch sind viele Buchblogger einfach noch nicht so weit, ihre Portale auch nur halbwegs professionell zu vermarkten. Das muss ja aber auch nicht sein. Ich wünsche mir, dass die Buchblogger, die ich bislang kennenlernen durfte, ihre Leidenschaft erhalten können und (mit ihrer sympathischen Planlosigkeit) weitermachen. Ihr bietet wunderbares Wissen rund um Bücher an und liefert damit eine spannende Alternative zur Marketingmaschine der Buchindustrie … Löst Euch aber bitte auch vom Anspruch innerhalb kürzester Zeit vom Blogstar zu werden.

Danksagung

Ach ja, ich habe mit Royal Sponsorship als Blog nur ein Ziel: Ich will mich über aktuelle Themen aus dem Dunstkreis des Sports und Sportsponsorings auslassen. Weil ich Lust darauf habe. Und ich will damit allen, die nichts mit Oberflächlichkeit anfangen können, lesenswerte Artikel bieten. Wenn zufällig jemand auf den Gedanken kommt, mich dafür bezahlen zu wollen: wunderbar. Aber weder erwarte ich das, noch lasse ich mich vor den Karren einer Marke spannen. In diesem Sinne: danke für viele positive Kommentare bislang. Diese motivieren mich weiterzumachen – auch ohne große Einnahmen damit zu erzielen … 😉