Man sagt Dopingwirkstoffen ja allgemein nach, dass sie eine Leistungssteigerung verursachen. Das stimmt auch, aber halt nicht immer. Es gibt ja auch noch Substanzen, die zu einer Leistungsminderung führen und trotzdem zu den unerlaubten Wirkstoffen zählen. Die Rede ist von Diuretika.

Was sind Diuretika?

Diuretika sind Arzneimittel, welche die Wasserausscheidung des Körpers über den Harn fördern. Viele Diuretika fördern außerdem das Ausschwemmen von Salzen. Beide Effekte wirken senkend auf den Blutdruck, wodurch das Herz entlastet wird.

Diuretika entfalten ihre Wirkung in den Nieren, deren kleinste funktionelle Einheit das sogenannte Nephron ist. Diese harnbildenden Systemeinheiten kommen in den Nieren millionenfach vor und bestehen wiederum aus zwei verschiedenen Bausteinen: dem Nierenkörperchen (Glomerulus) und dem nachgeschalteten Nierenkanälchen (Tubulusapparat). Im Nierenkörperchen wird der sogenannte Primärharn aus dem durchfließenden Blutplasma abgepresst. Dieser Primärharn wird dann weiter durch den Tubulusapparat bis in die Sammelrohre weitergeleitet, die irgendwann im Nierenbecken zusammenfließen, wo der Harn über die Harnleiter in die Blase geleitet werden kann. Auf dem Weg durch die Nierenkanälchen unterliegt der Primärharn noch weiteren Resorptions- und Sekretionsprozessen. Das heißt, dem Primärharn werden Stoffe entzogen und/oder hinzugefügt und auch sein Volumen kann sich noch ändern.

In einfacheren Worten: Die Prozesse, die in den Glomeruli vor sich gehen, sind für die Ausscheidung und die Entgiftung von Stoffen sowie für den Salz- und Säure-Basen-Haushalt des Körpers elementar wichtig. Diuretika greifen in diese Prozesse ein mit dem Ziel, das Volumen des Harns zu erhöhen. Oft ist eine Erhöhung der Wasserausscheidung auch an eine vermehrte Ausscheidung von Salzen gebunden. Diuretika, die neben ihrerer wasserausscheidenden Wirkung auch salzausscheidende Effekte haben, werden daher auch als Saluretika bezeichnet.

Aufgrund ihrer Wirkung finden Diuretika v.a. bei den nachfolgenden Diagnosen einen medizinischen Einsatz:

  • Wasseransammlungen im Körper (Ödeme)
  • Bluthochdruck
  • Herzschwäche
  • koronare Herzerkrankung

Missbrauch im Sport

Durch Diuretika fällt es Sportlern in Gewichtsklassen-Sportarten leichter, ihr Gewicht zu halten oder gar in entscheidenden Augenblicken zu senken. Im Judo oder Ringen bspw. kann die Einnahme von Diuretika zur Einstufung eines Sportlers in eine Gewichtsklasse eingesetzt werden, in die er aufgrund eines normalerweise höheren Gewichts normalerweise nicht gehört. Die Wirkungsweise der Diuretika ist sehr simpel: Der Körper gibt nach der Einnahme innerhalb weniger Stunden viele Liter Wasser ab. Die Nachteile sind schwere Muskelkrämpfe, die sich hieraus ergeben können, weil sehr viele Mineralstoffe mit dem Wasser abgegeben werden.

Diuretika haben aber noch einen anderen Effekt, weshalb sie bisweilen von Dopingärzten eingesetzt werden: Da die Abgabe von Wasser aus dem Körper gefördert wird, werden Urinproben durch Diuretika bisweilen stark verändert. Es wird versucht, durch die erhöhte Urinausscheidung einen Verdünnungseffekt von Dopingsubstanzen zu erzielen, mit der Hoffnung, dass die analytische Nachweisgrenze für die verwendeten Substanz unterschritten und ein positiver Nachweis unmöglich wird. Dies wird allerdings mittlerweile auch durch die Regel erschwert, dass der abgegebene Urin bei der Kontrolle eine relative Dichte von 1.010 nicht unterschreiten darf, erschwert. Die Kontrolleure sind dann gehalten, eine weitere Urinprobe vom Athleten zu verlangen. Jedenfalls stellt diese Maßnahme eine eindeutige Manipulation einer Urinprobe dar, die aus sportethischen Gründen nicht akzeptiert werden kann. Die Medizinische Kommission des IOC hat deshalb diese Substanzgruppe als verbotene Wirkstoffe auf die Dopingliste gesetzt.