Die allererste Saison mit den Crocodiles in der Eishockey-Oberliga ist vorbei. Obwohl es in den Playoffs nur zu einem Auswärtssieg bei den Tilburg Trappers gereicht hat, überwiegt doch der Stolz auf eine klasse Saison und eine Mannschaft, die mich begeistert hat. Aber schauen wir mal zurück:

Im Frühjahr 2016 war für mich nach dem Aus der Hamburg Freezers die Eishockeywelt aus den Fugen geraten. Ich stand im Mai irgendwie heimatlos da – wie viele andere auch. Die Mannschaft, die ich mit Leidenschaft angefeuert hatten, war plötzlich nicht mehr da. Wohl die schmerzhafteste Erfahrung, die ich als Fans jemals machen musste – und hoffentlich auch jemals werde. Ich habe meine Gedanken damals in einem Blogbeitrag bearbeitet, der massive Zustimmung und wahnsinnig viele positive Reaktionen hervorgerufen hat. Mir war klar, dass ich ohne Eishockey nicht kann und irgendwie einen Ersatz für die Freezers finden muss – mission impossible. Voller Tatendrang habe ich angekündigt, dass mich meine Reise wohl zu den Crocodiles nach Farmsen führen wird. Na toll: statt DEL also Abstiegskampf in der Oberliga. Aber immerhin Eishockey. Ich kannte niemandem aus dem damaligen Kader der Crocodiles, war noch nie im Eisland in Farmsen und musste mir erstmal anschauen, wer sonst noch so in der Oberliga spielt.

Doch dann haben zwei Daten meine Wahrnehmung verändert:

Am 29. Juni gaben die Crocodiles auf einer PK bekannt, dass Christoph Schubert zukünftig in der Oberliga auflaufen wird. Wirklich? Unser Käpt’n, unser Leuchtturm im Kampf gegen das Aus der Freezers, bleibt in Hamburg und schlägt Angebote von vier DEL-Clubs aus? Man mag es mir nachsehen, aber ich habe an diesem Tag das Grinsen nicht aus dem Gesicht bekommen. Man munkelt sogar, es sei am späten Abend nach mir eingeschlafen. Jedenfalls hat mich diese Nachricht darin bestätigt: wir brauchen eine Dauerkarte bei den Crocodiles. Wie waren zwar nie im Eisland, aber wo unser Käpt’n hin wechselt, kann es ja so doof nicht sein.

Doch dann kam der erste Aufprall auf dem harten Oberliga-Boden: statt eines Ticketshops galt es eine E-Mail an die Crocodiles zu senden – in der Hoffnung, dass diese auch irgendwann mal beantwortet wird. Und das wurde sie nach nur 5 Tagen – es folgten geschätzte 20 weitere E-Mails, bis wir die Zusage hatten: wir konnten zwei der allerletzten Sitzplatz-DK ergattern. Für mich als Sportmarketing-Fachmann war der Prozess, um an eine Dauerkarte zu gelangen, höchst unprofessionell, aber irgendwie auch total sympathisch. Hands-on mit persönlichem Charme, statt durchorchestrierte Customer Experience. Und das meine ich 100% positiv …

Und dann kam Anfang September 2016 das Testspiel gegen Odense. Mit maximaler Anspannung fuh­ren wir nach Farmsen. Wie gesagt: wir hatten eine Dauerkarte, waren aber noch nie im Eisland und bis auf Schubi waren uns die Crocodiles in allen Belangen unbekannt. Und dann kam der eine Augenblick: ich betrat gemeinsam mit meiner Frau das Eisland und es hat sich einfach nur gut angefühlt. Anders als alles, was ich in der DEL jemals mitgemacht habe, aber einfach nur gut. Man hat in seinem Leben Momente, an denen man sofort spürt, dass es richtig ist – dies war einer dieser Momente. Und so viel darf ich vorwegnehmen: Ich habe mir nicht vorstellen können, dass die Crocodiles in mir jemals dieselbe Leidenschaft entfachen, wie die Freezers. Aber man sollte bekanntlich niemals nie sagen – dieser Satz hat sich wieder mal bewahrheitet.

Oberliga – eine Welt für sich

Für mich sind manche Zustände in der Oberliga immer noch ungewohnt. Kommt man aus den ‚paradiesischen’ Zuständen in der DEL mit modernen Hallen, namhaften Akteuren mit NHL-Erfahrung und professionellem Strukturen, dann ist die Oberliga eine andere Welt. Resultate à la 7:2 oder 6:5 sind Alltag? Man reist mit nur einem Torwart zum Auswärtsspiel, da der Backup gerade in der Klausurenphase des Studiums ist? Ein Match wird abgesagt, da die Auswärtsmannschaft eine Buspanne hat? Fragen, die man sich als Oberliga-Rookie stellt und die man mit JA beantworten muss. Halt eine andere Welt. Aber eine sympathische Welt. Sozusagen back to the roots.

Sportlich läuft es auch.

Und das Schöne ist: auch sportlich war es eine grandiose Saison: mit Platz fünf nach der Meisterrunde und dem fantastischen Kampf gegen die Tilburg Trappers kann man mit Stolz auf diese Saison zurückschauen. Auch in den vielen weiteren Statistiken wie Top-Scorer, Top-Torschütze, Top-Vorlagengeber, Top-Defender und Zuschauer sind die Crocodiles immer auf den vorderen Plätzen zu finden.. Knapp über 1.000 Dauerkarten konnten verkauft werden und durchschnittlich verfolgten knapp über 1.800 Zuschauer die Heimspiele im 1.955 Zuschauer fassenden Eisland – eine Auslastung mehr als 90%! Nicht nur, dass die Halle gut gefüllt ist, auch die Atmosphäre macht den Verantwortlichen, dem Team und – sowohl alten wie auch neuen – Fans einfach nur Spaß.

Dann ist nur noch die Frage offen „was kommt als Nächstes?“. Nach aktuellem Stand schaffen es die Verantwortlichen die Leistungsträger zu halten (v.a. die Topstürmer Brad McGowan und Josh Mitchell). Natürlich wird es immer schmerzhaft sein, den einen oder anderen Akteur ziehen zu lassen – aber das gehört einfach zum Sport dazu.

Um das langfristige Ziel des Aufstiegs in den DEL2 schaffen zu können, braucht es aber in der Breite des Kaders qualitative Verstärkungen und v.a. einen signifikanten Ausbau der Infrastrukturen. Fakt ist, dass weder das kultige Eisland in Farmsen noch die Organisation in ihrer Gesamtheit ausreichend für Profi-Eishockey sind. Um die Strukturen schaffen zu könne, braucht es Mehreinnahmen, die über angepasste Dauerkartenpreise und v.a. Sponsorships realisiert werden müssen. Auch wenn nach dem Zugang von Christoph Schubert zahlreiche Sponsoren gewonnen werden konnten, war die Brust der Crocodiles noch verfügbar. Genau dort wird sich zukünftig hoffentlich ein zahlungskräftiger Sponsor finden lassen, der die Zukunftsinvestitionen möglich macht. Aber – und das ist mein persönliches Anliegen – bitte mit Augenmaß. Lasst es lieber 1-2 Jahre länger dauern, aber dafür auf einen soliden Fundament stehen …