Was kann man am 2. Weihnachtstag besser machen, als zum Eishockey zu fahren …? Ich finde: nicht viel. Und wenn dann noch ein Auswärtsspiel mit unter 1 Stunde Fahrzeit ansteht, gibt es dann wirklich kaum noch Ausreden. Also fuhren wir nach Timmendorf, um unsere Crocodiles lautstark zu unterstützen. Und nicht nur unsere Crocos, denn es galt auch unsere Solidarität mit den Beach Boys zu zeigen.

Wir sind alle Eishockey-Fans …

Wie ich schon in meinem Artikel „Die Beach Boys brauchen eine Halle …“ beschrieben habe, läuft der Eishockey-Standort Gefahr vollständig von der Landkarte zu verschwinden. Und aus diesem Grund war unsere Motivation nach Timmendorf zu fahren nochmal größer – galt es doch ein Zeichen für den Erhalt des Standorts zu setzen und den EHC beim Erhalt seiner Halle tatkräftig zu unterstützen. Angedacht war daher nicht nur ein gemeinsamer Fanmarsch von Crocos und Beach Boys, sondern auch ein Ligaspiel mit Freundschaftscharakter. Wie gesagt: es war angedacht. Doch aus unerklärlichen Gründen lief alles anders.

Nun kann man denken, dass dieser Artikel aus der spontanen Emotion der Niederlage (völlig unnötiges 3:4 nach OT) entstanden ist. Ist er aber nicht – auch da ich zwei Nächte drüber geschlafen habe, um meine Gedanken zu Papier zu bringen.

Gemeinsamer Fanmarsch ohne Beach Boys

Liebe Timmendorfer: WIR protestieren für den Erhalt EURER Halle. Fast 200 Hamburger marschieren durch Timmendorf und skandieren lautstark „Rettet die Halle“. Und Ihr …? Nichts. Anscheinend habt Ihr nicht verstanden, was los ist. Anders ist es wohl kaum zu erklären, dass sich maximal 10 Timmendorfer Fans dem gemeinsamen Marsch angeschlossen haben. Umso erstaunlicher war es, dass wir von Balkonen beklatscht wurden, auf volle Weihnachtsmärkte mit glühweinseeligen Beach Boys-Fans trafen und immer wieder Gruppen von 4-7 EHC-Anhänger am Straßenrand standen, die teilnahmslos den Marsch für ihre Halle anschauten. Seltsamerweise war dann auch der Stadionvorplatz bei der Ankunft des Fanmarsch voll mit Timmendorfern, die allerdings kaum von ihrer Bratwurst aufsahen. So viel dazu. Aber vielleicht ist es einfach auch zu viel verlangt 40 Minuten bei 4° und Hagelschauern für den Erhalt des eigenen Clubs durch Timmendorf zu laufen.

DIE Halle darf nicht gerettet werden …

Aber auch ich habe einen gewaltigen Fehler gemacht: ich habe „Rettet die Halle“ gerufen. Auch wenn ich nach wie vor hoffe, dass der EHC dem Eishockey erhaltet bleibt – Eure Halle sollte es NICHT. Bei allem Respekt für traditionelle Spielstätten: diese Halle kann maximal noch abgerissen werden. Aus der Berichterstattung, die mich zum vergangenen Artikel motiviert hat, war zu entnehmen, dass u.a. die gesamte Kälte-, Entfeuchtungs- und Lichttechnik ausgetauscht werden muss. Das ist vollkommen richtig, aber bedauerlicherweise krankt es an noch so viel mehr. Ich habe vor zwei Tagen jedenfalls eine Halle gesehen, deren grundsätzliche Bausubstanz und Infrastruktur – sorry – vollkommen im Arsch ist. Wenn sich schon so eklatante optische (und relativ einfach auszubessernde) Mängel abzeichnen, dann möchte ich nicht wissen, wie es unter der Oberfläche ausschaut. Jedenfalls ging mir schon während des Spiels das Wort Planierraupe nicht aus dem Kopf.

Auch fast 48 Stunden nach der Partie graut es mir noch immer vor den eklatanten Sicherheitsmängeln in der gesamten Halle. Ich belasse es bei einer kurzen Zusammenfassung und werfe nur zwei Stichworte in den Raum: nicht ausreichende Absicherung der Zuschauer durch Fangnetze bzw. viel zu niedrige Scheiben und abenteuerliche Holzkonstruktion der Stehplatztribüne. Wenn ich dann noch den katastrophalen Ordnungsdienst heranziehe, dann mag ich gar nicht daran denken, was im Fall der Fälle passiert wäre. Und ja: leider kann ich meine Kritik auch nicht auf bauliche Mängel beschränken. Die gesamte Organisation war – zumindest im Hinblick auf die Gästefans – eine Katastrophe. Offensichtlich wurden signifikant mehr Tickets an Crocodiles-Fans verkauft, als der Gästeblock zu fassen vermag. Die Folge war ein hoffnungslos überfüllter Gästeblock und verstopfte Gänge/Fluchtwege. Wie gesagt: nicht auszudenken …

Auch in der Oberliga muss man von einer gastgebenden Clubs bzw. dessen Ordnungspersonal verlangen können, dass im Vorfeld einer Partie eine saubere Planung stattfindet. In Anbetracht der angekündigten Zuschauerzahlen aus Hamburg hätte der Gästeblock entsprechend des benötigten Platzes vergrößert werden müssen. Damit hätten die teilweise chaotischen Zustände im Gästeblock problemlos entschärft werden können.

Was ich sagen will …

Ich wünsche dem EHC alles Gute und hoffe, dass die Beach Boys auch in den kommenden Jahren in der Oberliga auflaufen. Dann aber bitte in einer neuen, modernen Halle und nicht in diesem ‚antiken Sicherheitsrisiko’. Trotz aller Rivalität möchte ich auch zukünftig noch viele Auswärtsfahrten nach Timmendorf mitmachen – dann auch irgendwann in der DEL2, in einer richtigen Halle und einem anständigen Ordnungsdienst. Am Ende des Tages kann ich bei aller Enttäuschung nur das wiederholen, was ich schon am 1. November gesagt habe:

„Wie in keiner anderen Sportart halten Eishockey-Fans zusammen, wenn es um die Zukunft von Standorten geht. Nachdem ich am eigenen Leib schon eine riesige Anteilnahme und Hilfsbereitschaft bei den Freezers erleben durfte, halte ich es für eine Selbstverständlichkeit auch den Beach Boys die Daumen zu drücken. Bei aller sportlichen Rivalität zu den Crocodiles: Eishockey muss in Timmendorf erhalten bleiben, denn Timmendorf ohne Eishockey ist wie Strand ohne Sand.“