Highbury – ein Name, der für Tradition steht. Und auch sinnbildlich dafür, dass altehrwürdige Stadien oftmals nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Nach fast 100 Jahren darf ein Stadion aber auch mal zum alten Eisen gezählt werden, oder ? Daher ist es nur nachvollziehbar, dass der Arsenal London FC zur Saison 2006 quasi innerhalb der Nachbarschaft in das Emirates Stadium umzog.

Schauen wir uns doch mal die Hintergründe und den Ablauf dieses Umzug an. Diese Betrachtung führt uns zurück die Zeit vor dem 1. Weltkrieg – genauer gesagt in das Jahr 1913. Damals wurde das Highbury Stadium, noch als Spielstätte des Woolwich Arsenal (dem Vorgänger des Arsenal London FC) eingeweiht. Natürlich hat es seit diesem Tag zahlreiche bauliche Veränderungen gegeben. Dazu zählte u.a. die Umrüstung des bekannten South Stand (Clock End) auf Sitzplätze. Auch die andere Hintertortribüne, der legendäre North Bank Stand, hat im Jahr 1992 einen Umbau hin zu einer komfortablen Sitzplatztribüne mit zwei Rängen erfahren. Das Highbury war zuletzt ein All-Seater mit einem Fassungsvermögen von ca. 38.500 Zuschauern. Ein weiterer Ausbau oder auch nur weitreichende Modernisierungen waren -schon aufgrund der räumlich engen Lage in einem Wohnquartier- allerdings unmöglich. Um nachhaltig die (wirtschaftliche) Wettbewerbsfähigkeit des Clubs zu sichern, plante man schon in den späten 1990er Jahren den Bau eines neuen Stadions. Der Arsenal FC fand unweit der alten Spielstätte einen Standort für das neue Stadion: ein ehemaliges Industrieareal mit dem Namen Ashburton Grove. An diesem Standort wurde bis zur Saison 2006/2007 für 240 Mio. Euro ein wettbewerbsfähiges Stadion gebaut. Die Sportstätte war allerdings nur ein Bestandteil eines städtebaulichen Umstrukturierungsprogramms. Das Volumen des gesamten Bauvorhabens, das auch die Umwandlung des Ashburton Grove-Areals in Wohn- und Büroflächen sowie den gesamten Umbau von Highbury umfasst, wird inkl. der Ausgaben für Infrastrukturmaßnahmen auf ca. 540 Mio. Euro geschätzt.

Da aber rasch klar wurde, dass der Club dieses Bauvorhaben nicht im Alleingang finanzieren kann, hat Arsenal schon früh die Absicht geäußert, die Namensrechte am neuen Stadion zu verkaufen: Am 5. Oktober 2004 präsentierte der Club schließlich die in Dubai beheimatete Emirates Airline als Name-Sponsor und gab bekannt, dass man sich auf ein Sponsoring-Paket im damalige Rekordumfang von 129 Mio. Euro verständigt habe. Dadurch trägt das 60.000 Sitzplätze umfassende Stadion zunächst für 16 Jahre (bis zum Ablauf der Saison 2020/2021), den Namen Emirates Stadium. Der Sponsoringvertrag beinhaltete auch, dass Emirates seit der Saison 2006/2007 als Trikotponsor auftritt und somit den Mobilfunkanbieter O2 ablösen durfte. Außerdem darf Emirates sich ab 2006 im Rahmen des Verkaufs der unternehmenseigenen Leistungen auf den Markennamen Arsenal FC beziehen.

Dieses Sponsorship ist schon für sich der weitaus bedeutendste Deal, der bis dahin im englischen Fußball getätigt wurde. Allerdings ist der finanzielle Profit Arsenals aus dem Sponsorship weitaus höher einzuschätzen sein, als die genannten 129 Mio. Euro. Der reale Wert des Sponsorships dürfte sich für den Club auf mehr als 200 Mio. Euro belaufen, da Emirates aufgrund seines globalen Routenplans dazu beitragen kann, dass Arsenal seine vorhandene Fanbasis auf anderen Kontinenten ausbauen kann, womit sich insbesondere neue Merchandising-Märkte erschließen. Arsenal hatte bis dahin jährliche Einnahmen von ca. 4,8 Mio. Euro durch das Trikotsponsoring des Mobilfunkanbieters O2 zu verzeichnen. Nimmt man an, dass dieser Betrag auch in den nächsten Jahren verhältnismäßig konstant gewesen wäre, so kann Arsenal durch das Engagement von Emirates jährliche Mehreinnahmen von ca. 4 Mio. Euro erwirtschaften (über die gesamte Vertragslaufzeit von 15 Jahren Mehreinnahmen ca. 60 Mio. Euro). Somit können durch das Sponsorship 12% des gesamten Investitionsvolumens von 540 Mio. Euro refinanziert werden.

Für den Arsenal London FC ist dies also ein wirtschaftlich hochgradig sinnvoller Deal und Emirates Airlines hat eine Kommunikationsplattform mit internationaler Strahlkraft geschaffen. Dann ist es also eine win-win-Situation bei der nur die Tradition auf der Strecke geblieben ist ? Könnte ja sein – ist aber nicht so. Natürlich ist es für alteingesessene Arsenal-Fans und die Liebhaber der alten englischen Stadionkultur mitunter schmerzhaft, dass das Highbury mit seinen charakteristischen Art-Deco-Tibünen und seinen Eingängen in ausgesparten Reihenhäusern nach über 90 Jahren von der Blldfläche verschwunden ist. Aber andererseits hat Arsenal mit dem Emirates ein beeindruckendes Stadion geschaffen und wenigstens Teile der Tradition in die neue Heimstätte retten können. Well done, Gunners !